| Veranstaltung: | Unterbezirksdelegiertenkonferenz 2025 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | TOP 10.2. Beratung der restlichen Anträge |
| Antragsteller*in: | JUBV |
| Status: | Eingereicht |
| Angelegt: | 04.01.2025, 21:42 |
A31: Awareness-Konzept der Jusos Köln
Weiterleitung
Antragstext
Als Jusos ist der Kampf für die Gleichbehandlung und gegen die Unterdrückung
aller Menschen zentraler Bestandteil unserer Arbeit.
Wir stellen uns gegen Diskriminierung jeglicher Art und möchten ansprechbar für
Betroffene sein – und auch offen dafür, interne diskriminierende Strukturen
aufzuarbeiten.
Zudem möchten wir einen Raum schaffen, in dem sich alle wohlfühlen und einen
achtsamen Umgang miteinander pflegen. Wir wollen einen diskriminierungssensiblen
Bildungsauftrag formulieren und einen Beitrag dazu leisten, dass sich jede*r
wohlfühlt, sich bei den Jusos Köln einzubringen, ohne diskriminiert, ausgegrenzt
oder verurteilt zu werden.
Juso-Räume sollen ein Umfeld darstellen, bei dem wir lernen und erklären, was
Awareness bedeutet und wie wir uns unser Miteinander vorstellen. Dies umfasst
ebenfalls den Umgang mit diskriminierendem Verhalten, welcher auf der Grundlage
basiert, dass eine Person erstmal nicht böswillig diskriminierendes Verhalten
zeigt. Dementsprechend wird auf dieses Verhalten aufklärend durch die Awareness
AG reagiert.
Alle Teilnehmenden an Juso-Veranstaltungen sind dazu verpflichtet, für einen
Raum zu sorgen, der diskriminierungsfrei ist. Dabei gilt das Awareness Konzept
nicht nur bei offiziellen Veranstaltungen, sondern auch beim informellen
Zusammensein in Rahmen der Jusos Köln.
Das Awareness-Konzept hat nicht nur das Ziel, konkrete Fälle zu klären, sondern
soll auch das Bewusstsein für diskriminierende Strukturen und
Herrschaftsverhältnisse erhöhen.
Der Begriff „Awareness“ (engl. Bewusstsein) bezeichnet die (Selbst-)Reflektion
einer Person oder Gruppe über ihre Umgebung, ihre Rolle darin sowie die sich
daraus ergebenden gebotenen Handlungen. Mit der Etablierung des Awareness-
Konzepts bei den Jusos Köln möchten wir uns Ungleichheiten bewusst machen und
dementsprechend ein diskriminierungssensibles Umfeld schaffen. Dieses Awareness-
Konzept folgt dem Selbstverständnis, dass die körperliche und psychische
Missachtung körperlicher und persönlicher Grenzen in unseren Räumen nicht
toleriert wird. Dieses grenzüberschreitende Verhalten kann sich beispielsweise
in sexistischen, rassistischen, homo- und trans*feindlichen, ableistischen oder
vergleichbaren Übergriffen äußern (Liste nicht abschließend).
Wir benennen dieses Verhalten, stellen uns entschlossen dagegen und wollen vor
allem Betroffene unterstützen.
Die Awareness-AG
Selbstverständnis, Aufgaben und Machtbefugnisse
Neben den allgemeinen Regeln, wie wir den politischen Raum bei den Jusos Köln
gestalten möchten, braucht es eine Institution, welche sich auch außerhalb von
Veranstaltungen der Awareness-Arbeit annimmt. Die zentrale Institution des
Awareness-Konzepts bildet die Awareness-AG (im folgenden A-AG genannt). Sie
bildet das ständige Gremium der Awareness-Arbeit der Jusos Köln und sieht sich
als wichtiges, aber auch ergänzendes Element in der verbandsinternen Awareness-
Arbeit (im folgenden A-Arbeit genannt), bleibt gleichzeitig gegenüber dieser
aber kritisch und reflektierend.
Daraus ergeben sich folgende primäre Aufgaben:
1. Die A-AG soll eine vertrauliche und niedrigschwellige Anlaufstelle für
sämtliche Belange sein, die ein erlebtes Unwohlsein oder diskriminierendes
Verhalten im Rahmen der Jusos Köln betreffen. Damit soll ein einfacher,
möglichst unkomplizierter und hierarchiefreier Zugang geschaffen werden. Die A-
AG soll in diesen Situationen im Rahmen ihrer persönlichen Möglichkeiten
zuhören, unterstützend tätig werden oder auch im möglichen Konfliktfall
einschreiten. Weiter unten ist die A-Arbeit an sich genauer beschrieben.
Insgesamt werden die geteilten Informationen, Gefühle und Gedanken streng
vertraulich behandelt.
2. Neben der Funktion der A-AG als Anlaufstelle soll diese Aufklärungs- und
Sensibilisierungsarbeit leisten. Die Jusos sind ein vielfältiger Verband mit
unterschiedlichen Wissensbeständen, deshalb kann diskriminierendes Verhalten in
manchen Fällen unbeabsichtigt entstehen. Einerseits vor dem Hintergrund einen
möglichst diskriminierungsfreien bzw. sicheren Raum zu gestalten und
andererseits gleichzeitig ein fehlerfreundliches Lernumfeld zu schaffen, soll
die A-AG bspw. in Situationen die bereits genannte Aufklärungs- und
Sensibilisierungsarbeit übernehmen.
3. Zusätzlich soll die A-AG den Vorstand der Jusos Köln in der A-Arbeit
unterstützen und kritisch begleiten. Dazu berichtet die A-AG regelmäßig dem
Vorstand über die Arbeit (anonymisiert) der A-AG, macht auf bestehende
Missstände aufmerksam und kann Vorschläge zu Verbesserungen machen. Der Vorstand
der Jusos Köln ist dazu angehalten, auf diese Berichte und eventuelle Vorschläge
mit entsprechenden Maßnahmen zu reagieren und verpflichtet sich, in seinem
Rechenschaftsbericht darauf einzugehen.
Zusammensetzung der A-AG
1. Insgesamt soll die A-AG eine Größe von zwei bis drei Personen bestehen,
welche durch ein Mitglied des Vorstandes der Jusos Köln ergänzt wird. Dabei
handelt es sich um die*den Awareness-Beauftragte*n des Vorstandes. Diese*r wird
aufgrund der Funktion im Vorstand lediglich beratend und ohne Stimmrecht tätig
sein und gleichzeitig eine Anbindung an den Vorstand der Jusos Köln
gewährleisten.
2. Eine Quotierung der A-AG ist zwingend erforderlich, um eine entsprechende
Ansprechbarkeit zu gewährleisten bzw. die Hürden dafür so niedrig wie möglich zu
halten und eine entsprechende Sensibilität gegenüber Betroffenen zu ermöglichen.
Die Quotierung umfasst hierbei alle Mitglieder der A-AG. Die A-AG soll min. in
50% durch Frauen besetzt sein. Dazu sollte min. eine BIPoC-Person Teil der A-AG
sein, um auch hier eine gewisse Sensibilität und Ansprechbarkeit zu
gewährleisten. Im Sinne der Geschlechterdiversität verstehen wir die restlichen
Plätze nicht als Männerplätze, sondern wollen INTA-Personen empowern sich in der
A-AG einzubringen. Zudem wird angestrebt, auch queere Personen in die A-AG zu
wählen. Gleichzeitig ist bei der Quotierung zu beachten, dass auch Menschen ohne
eine Betroffenheit struktureller Diskriminierung Teil der A AG werden, damit
auch sie Care-Arbeit wahrnehmen können.
3. Die Zusammensetzung der A-AG zielt auf eine Mischung an Personen ab, die
bereits Erfahrung in der A-AG oder vergleichbaren Tätigkeiten sammeln konnten
und Personen, die an A-Arbeit herangeführt werden können, um eine stetige
Wissensweitergabe zu gewährleisten und A-Arbeit und das Awareness-Konzept stetig
weiter zu etablieren und ggf. zu überarbeiten. Aus diesem Grund kann eine Person
sich auch nur viermal hintereinander in die A-AG wählen lassen, bevor eine
mindestens sechsmonatige Pause eingelegt werden muss. Damit soll verhindert
werden, dass die A-AG eine eigene sich abschottende Struktur und Dynamik
entwickelt und somit eine effektive A-Arbeit erschwert.
Bestimmung der Mitglieder der A-AG
Die A-AG wird auf der Unterbezirksdelegiertenkonferenz (UBDK) per Akklamation
nominiert und anschließend vom amtierenden Vorstand ernannt.
Die Kandidat*innen für die Nominierung werden zwei Wochen vor der UBDK bekannt
gegeben, um die Möglichkeit für Einwände zu geben. Die Einwände können, auch
anonymisiert, dem amtierenden Vorstand, welcher die UBDK vorbereitet, werden.
Ausgeschlossen zur Nominierung in die A-AG sind Mitglieder des Vorstandes der
Jusos Köln und der höheren Funktionsebene, sowie Funktions- und
Mandatsträger*innen der SPD. Davon ausgenommen ist eine Person des Vorstands der
Jusos Köln, welche als Awareness-Beauftrage Teil der A-AG wird. Der*die
Vorsitzenden dürfen dabei nicht die Aufgabe der Awareness Beauftragung
wahrnehmen. Ehemalige Vorstandsmitglieder dürfen sich erst bei der ersten UBDK
ohne Funktion nach der Beendigung ihrer Vorstandstätigkeit zur Nominierung
aufstellen lassen. Weiter ausgeschlossen sind Personen, die Bestandteil von
Awareness-Fällen sind. Bei einem Rücktritt oder einem Ausschluss auf Grund von
gerechtfertigten Einwänden aus der A-AG, wird schnellstmöglich innerhalb der
Quotierung bei der nächsten Vorstandssitzung erneut nominiert. Diese Nominierung
muss mindestens zwei Wochen vorher über die Tagesordnung angekündigt werden.
Einwände gegen aktive Mitglieder der A-AG Einwände und Bedenken gegen aktive
Mitglieder der A-AG können entweder an die weiteren Mitglieder der A-AG oder an
ein Vorstandsmitglied weitergegeben werden. Sollte dieser Fall eintreten, wird
innerhalb des Vorstands in enger Abstimmung mit den weiteren Mitgliedern der A-
AG erörtert, wie die Folgen aussehen. Diese können u.a. die Abberufung der
betreffenden Person aus der A-AG durch den Vorstand sein, ein freiwilliger
Rücktritt aus der A-AG, sowie der Ausschluss zur erneuten Nominierung für die A-
AG.
Awareness-Konzept bei Veranstaltung und tatsächliche Awareness-Arbeit
Bei den Veranstaltungen der Jusos Köln soll zu Beginn der jeweiligen
Veranstaltung das veranstaltungsbezogene Awareness-Konzept erklärt werden, sowie
die für den jeweiligen Zeitraum zuständige Awareness-Personen (A-Personen), die
das Awareness-Team (A Team) bilden, vorgestellt werden. Bei Bedarf ist die
Vorstellung im Laufe der Veranstaltung erneut zu wiederholen. Bei der Erklärung
des Awareness-Konzepts soll insbesondere der Umgang miteinander betont werden,
sowie die Erreichbarkeit durch eine Telefonnummer. Zusätzlich werden die A-
Personen für die bessere Erkennbarkeit mit Patches oder anderen eindeutigen
Erkennungszeichen ausgestattet.
An geeigneten Orten, wie auf Toiletten, am Eingang, Türen zu
Veranstaltungsräumen, werden Flyer mit den Grundzügen des Awareness Konzepts und
der Telefonnummer ausgehängt. Darüber hinaus soll, wenn es der Veranstaltungsort
hergibt, ein Awareness-Raum fester Bestandteil sein. Dieser sollte nur durch das
A-Team zugänglich und vorher abgeschlossen sein. Der Awareness-Raum ist deutlich
ausgeschildert und mit Anzeigen ausgestattet, ob er gerade belegt ist. Im
Idealfall gibt es noch einen weiteren Raum, der als allgemeiner, offener
Rückzugsort fungieren kann. Die Organisation dieser Räumlichkeiten obliegt den
Verantwortlichen des Vorstands der Jusos Köln.
Der Aufgabenbereich des A-Teams besteht in seinen Grundzügen aus Beobachten,
sich einen Überblick verschaffen und Präsenz zeigen und verfolgt damit einen
eher passiven Ansatz der A-Arbeit. Dazu gehört jedoch auch, gegebenenfalls nach
einer Situation zu einer vermeintlich betroffenen Personen hinzugehen. Der
Anspruch ist allerdings nicht, dass A-Personen dazu verpflichtet sind, in aktive
Streitsituationen einzugreifen. Die eigenen Kapazitäten, Grenzen und vor allem
der Eigenschutz sind stets zu beachten. Wichtig ist zusätzlich auch zu erwähnen,
dass von den A-Personen nicht verlangt werden kann, jede Situation korrekt zu
lesen und dementsprechend zu handeln. Die A-Personen sind nicht für eine
Konflikt- und Streitschlichtung oder psychologische Beratung zuständig.
A-Arbeit versteht sich für die Jusos Köln primär als Vor- und Nachsorgearbeit.
Das bedeutet, dass durch das ständige deutlich machen der Awareness Grundzüge
und Präsenz zeigen im Vorhinein verhindern werden soll, dass es zu
Zwischenfällen kommt. Sollte es zu einer Situation kommen, dann wird in
Absprache mit der betroffenen Person eine Umgangsweise ausgehandelt.
Auf Veranstaltungen wird vom A-Team konsequente Nüchternheit erwartet.
Nüchternheit ist aus verschiedenen Gründen existentiell für die Awareness-
Arbeit. Zum einen, um sensibel und entsprechend der Situation agieren zu können
und zum anderen durch das eigene Verhalten nicht abschreckend gegenüber
möglichen Hilfesuchenden zu wirken. Auch nach der Schicht wird den A-Personen
ausdrücklich nahegelegt, die Nüchternheit beizubehalten. Dies soll die
allgemeine Ansprechbarkeit von A-Personen gewährleisten und den allgemeinen
Safer-Space nicht gefährden.
Sonstiges
Schaffung von Safer-Spaces und Plena
Als feministischer Verband ist es elementar, unsere Positionen und Werte nicht
nur durch politische Arbeit nach außen zu tragen, sondern auch in unseren
eigenen Strukturen aktiv umzusetzen. Es ist traurige Realität, dass Männerbünde
immer noch das politische und innerverbandliche Leben dominieren und diese
Strukturen dazu führen, dass patriarchale Ausgrenzung und andere strukturelle
Diskriminierungen reproduziert werden. Um diese aufzubrechen, ist die
institutionalisierte Schaffung von sicheren Räumen oder Safer-Spaces dringend
notwendig. Zu solchen Räumen zählen u.a. Gender-Plena und
FINTA*Vernetzungstreffen. Die Schaffung dieser Räume ist frühzeitig bei der
Planung von Veranstaltungen mitzudenken. Die Durchführung der Plena findet in
räumlich voneinander abgegrenzten Orten statt, die getrennt voneinander
zugänglich sind. Wichtig ist, dass die Plena zeitgleich beginnen und enden.
Damit soll informelles Vernetzen im Männer-Plenum oder Zwangsouting verhindert
werden.
Gender-Plenum und Vernetzungstreffen FINTA*/Frauen-Plenum und Vernetzungstreffen
Das FINTA*-Plenum ist für Frauen, intersex, nicht-binäre, trans* und agender
Personen; (das * soll auf weitere Geschlechtsidentitäten hinweisen) offen. Das
Vernetzungstreffen und Plenum gilt als Schutzraum. Dies bedeutet, dass alles
gesagt werden kann und das Gesagte in diesem Raum verbleibt. Dies sollte von der
Moderation am Anfang deutlich gemacht werden. Die Moderation übernimmt eine
FINTA*-Person aus dem Vorstand oder der A-AG. Bei kleineren Plena kann zu Beginn
eine Vorstellungsrunde und Stimmungsabfrage erfolgen. Nach einer solchen Runde
kann es in den freien Austausch gehen, Teilnehmerinnen* können von sexistischen
Erfahrungen in ihrem Alltag oder ihrem politischen Engagement erzählen, Fragen
stellen etc. Bei größeren Runden kann auch direkt in einen freien Austausch
gestartet werden. Wenn sich herauskristallisiert, dass es auf der aktuellen oder
vergangenen Veranstaltungen zu einem schwerwiegenden sexistischen Vorfall
gekommen ist, den die Teilnehmer*innen des Plenums ansprechen möchten, kann dies
in anonymisierter Form in der großen Runde oder in einem Gespräch mit den
Betroffenen durch die Moderation des Plenums, eines Mitglieds der A-AG oder
eines Mitglieds aus der Runde geschehen. Wichtig ist hierbei, dass die
Betroffene(n) diesem Verfahren zustimmen müssen. Wenn gewünscht, kann das
FINTA*-Plenum durch eine Benachrichtigung über die A-AG Themen in das Männer-
Plenum geben, welches dann verpflichtet ist, sich damit zu beschäftigen. Dies
können allgemeine Anmerkungen bis zu konkret individuellen Verhalten sein. Mit
der Übergabe an die Awareness-AG ins Männer-Plenum müssen Männer ihrer
Aufarbeitungs- und Reflexionsverantwortung gerecht werden.
Zudem bieten die Jusos Köln regelmäßige Vernetzungstreffen für FINTA, die in
Form verschiedener Formate realisiert werden können. Diese werden vom Roten
Salon organisiert. Der Rote Salon ist gemäß der Satzung der Jusos Köln eine
autonome Arbeitsgemeinschaft ausschließlich für Frauen*. Der Rote Salon ist für
den gesamten Unterbezirk zuständig.
Männer-Plenum
Im Gegensatz zum FINTA*-Plenum dient das Männer-Plenum nicht zur Vernetzung und
stellt keinen Schutzraum dar. Es dient vielmehr zur Selbstreflexion und
Auseinandersetzung mit Männlichkeit, sexistischem Verhalten und
Diskriminierungen. Es geht hier um aktive antisexistische und feministische
Bildungsarbeit. Das Männer-Plenum ist vorher vorzubereiten, damit eine
inhaltliche Auseinandersetzung gewährleistet wird. Die Leitung übernimmt in der
Regel ein männliches Vorstandsmitglied oder eine männliche Person aus der A-AG.
Die Leitung übernimmt hier eine wichtige Moderationsrolle und soll dabei
sicherstellen, dass der Zweck intersektionaler feministischer Bildungsarbeit
erreicht wird und nicht durch zusammenhanglose Vernetzung von Männern vereitelt
wird. Zudem soll die Leitung wiederholt auf die bestehende feministische
Beschlusslage hinweisen und dafür sorgen, dass diese nicht in Frage gestellt
oder diskutiert wird. Zur inhaltlichen Diskussion sind andere öffentliche Räume
vorgesehen, wie die Antragsberatung oder Workshops. Es gibt keine Männer-
Vernetzungstreffen. Für den Fall, dass das FINTA*-Plenum mehr als die
vorgesehene Zeit benötigt, obliegt es der Plenumsleitung, die feministische
Bildungsarbeit weiterzuführen. Dies sollte mit vorbereitet werden.
Queer-Plenum
Um Menschen der queeren Community einen Raum für Austausch und Vernetzung zu
geben, wollen wir bei Seminaren die Möglichkeit für ein Queeres Plenum bieten.
Dafür wird bei den angemeldeten Teilnehmer*innen nach dem Bedarf abgefragt und
je nach Resonanz umgesetzt.
BIPoC-Vernetzung und Critical Whiteness
Die Jusos Köln verpflichten sich im besonderen Maße, einen sicheren Raum für
BIPoCs zu schaffen. Rassismus ist allgegenwärtig und findet sich auch in unserem
Verband wieder. Daher soll regelmäßig eine BIPoC-Vernetzung stattfinden. Zur
antirassistischen Arbeit gehört ebenfalls das regelmäßige Reflektieren der
Privilegien von weißen Personen. Deshalb wird im Zeitraum der BIPoC-Vernetzung
ein Critical Whiteness Workshop stattfinden.
Umgang mit Awarenessfällen
Trotz aller Maßnahmen zur Prävention kommt es auch innerhalb von Juso-Strukturen
leider immer wieder zu Awarenessfällen. Solche Fälle stellen immer komplexe
Situationen dar, die es erfordern, zuzuhören und dann mit den betroffenen
Personen zusammen zu entscheiden, welche Konsequenzen sich aus einer solchen
Situation ergeben sollen. Für uns steht das Wohlbefinden der betroffenen
Person(en) an erster Stelle. Wir nehmen daher alle Betroffenen ernst und suchen
den Kontakt in einer vertrauensvollen Atmosphäre, um das weitere Vorgehen zu
erörtern. Dabei gehört es ausdrücklich auch zu den Handlungsmöglichkeiten,
zunächst einmal nicht über das Geschehene sprechen zu wollen und erst zu einem
späteren Zeitpunkt eine Situation aufzuarbeiten. Wir respektieren außerdem die
Definitionsmacht der Betroffenen darüber, was für sie ein übergriffiges oder
unangemessenes Verhalten darstellt.
Wird in Übereinkunft mit dem*der Betroffenen entschieden, die weitere Klärung
eines Vorfalls zu anzustreben, etablieren wir ein vertrauliches Verfahren,
welches es Betroffenen ermöglicht, das Erfahrene zu verarbeiten und den
beschuldigten Personen die Möglichkeit eröffnet, ihr Verhalten zu reflektieren
und entsprechende Konsequenzen innerhalb der uns als politischem Jugendverband
gesetzten Grenzen zu ziehen. Die A-AG wird dabei zunächst allein von der
betroffenen Person oder einer von der betroffenen Person bestimmten
Vertrauensperson über einen Awareness-Vorfall unterrichtet. Die betroffene
Person wird dabei über die möglichen Handlungsoptionen aufgeklärt. Die
Awareness-beauftragte Person im Vorstand wird unter Wahrung der Vertraulichkeit
des Falles über den Stand des Verfahrens informiert. Im Anschluss daran wird
auch mit der/den beschuldigten Person(en) ein Gespräch gesucht bzw. die
Möglichkeit einer Stellungnahme zum Vorfall eingeräumt. Sofern es der Fall
zulässt und die betroffene Person dies wünscht, können daraufhin weitere
Einzelgespräche sowie Mediationsgespräche stattfinden. Sollte das Verhalten der
beschuldigten Person(en) so schwerwiegend sein, dass weitere Schritte von der
betroffenen Person gewünscht sind, können auch weitere verhältnismäßige
Konsequenzen angestrebt werden. Diese sollen auch eine Reflektion von
unangemessenem Verhalten ermöglichen und Angebote zur diskriminierenden
Weiterbildung enthalten. Nicht möglich sind jedoch unter anderem
Parteiausschlussverfahren sowie Sanktionen, die die allgemeine Handlungsfreiheit
von Personen betreffen (z.B. Alkoholverbot, Besuch von öffentlichen
Veranstaltungen). Gleichwohl wird das Aussprechen dringender
Handlungsempfehlungen vorbehalten.
Der Juso-Unterbezirksvorstand wird beauftragt, die Institutionalisierung dieses
Awareness-Konzepts durch einen Satzungsänderungsantrag bei der nächsten
regulären UBDK einzubringen.
