| Veranstaltung: | Unterbezirksdelegiertenkonferenz 2026 |
|---|---|
| Antragsteller*in: | Jusos Lindenthal |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 09.01.2026, 19:08 |
A18: Praktikum? Das ist doch kein Hobby! Vergütungen ist kein Verhandlungswert – Ausbeutung beenden
Weiterleitung
Antragstext
Die Jusos Köln fordern den Unterbezirksvorstand und die SPD-Fraktionen im Kölner
Stadtrat
sowie im Landtag und Bundestag auf, sich auf allen politischen Ebenen
entschlossen für die
umfassende Vergütung von Pflichtpraktika im Studium und Ausbildung in
mindesthöhe des
FSJ Taschengeldes einzusetzen, sowie Beratungsstellen auszubauen oder zu
installieren.
Die Jusos Köln fordern daher die sofortige und flächendeckende Vergütung aller
im Rahmen
von Studien- und Ausbildungsordnungen vorgeschriebenen Praxisphasen.
2.1. Gerechte Vergütungshöhe
Festlegung einer Mindestvergütung: Die Vergütung muss sich mindestens an den
Umfängen
des Taschengeldes im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) richten.
2.2 Informationskampagne:
Die Jusos Köln fordern die Stadt Köln und die Kölner Hochschulen auf, aktiv über
die Rechte
von Praktikant*innen und Auszubildenden aufzuklären und eine zentrale
Beschwerdestelle einzurichten.
Begründung
Unbezahlte Pflichtpraktika in der Ausbildung oder im Studium sind längst kein reiner
„Lernort“ mehr, sondern oft eine Form der systematischen Ausbeutung. Wer in
Betrieben vollwertige Arbeit leistet und zum Unternehmenserfolg beiträgt, verdient
eine leistungsgerechte Entlohnung statt bloßer Vertröstungen auf ein „Lerngehalt“.Die aktuelle Praxis verschärft die soziale Ungleichheit: Nur wer es sich finanziell
leisten kann, erhält den entscheidenden Türöffner für den Berufseinstieg oder den
benötigten Schein im Studium . Damit subventioniert die junge Generation
wohlhabende Unternehmen auf Kosten der eigenen Chancengleichheit. Um dem
Fachkräftemangel wirksam zu begegnen, braucht es keine Demotivation durch
prekäre Bedingungen, sondern Wertschätzung. Eine faire Vergütung sichert die
Ausbildungsqualität, stärkt die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes und macht den
Weg in den Beruf endlich für alle zugänglich – unabhängig vom Elternhaus.
4. Beschluss
Die Jusos Köln fordern den Unterbezirksvorstand und die SPD-Fraktionen im Kölner Stadtrat
sowie im Landtag und Bundestag auf, sich auf allen politischen Ebenen entschlossen für die
umfassende Vergütung von Pflichtpraktika im Studium und Ausbildung in mindesthöhe des
FSJ Taschengeldes einzusetzen, sowie Beratungsstellen auszubauen oder zu installieren.
Die Jusos Köln sehen in der Nichtvergütung von Pflichtpraktika im Studium und in
Ausbildungen einen zentralen Pfeiler der Prekarisierung junger Menschen. Das Studium und
die Ausbildung dürfen keine Schuldenfalle sein. Dennoch zwingt die aktuelle Praxis, die
unbezahlte Arbeit als selbstverständlich zu betrachten. Tausende Studierende und
Auszubildende werden in die Abhängigkeit von ihren Eltern oder in einen zeitraubenden
Nebenjob-Marathon getrieben.
Dies ist nicht nur eine Frage der individuellen Finanzierung, sondern eine
gesamtgesellschaftliche Schieflage. Während die Betriebe qualifizierte Fachkräfte von
morgen benötigen und direkt von ihrer Arbeitsleistung im Praktikum profitieren, wird die
finanzielle Last des Ausbildungsprozesses privatisiert. Dies untergräbt das Versprechen der
Chancengleichheit und schadet der Demokratisierung der Bildung. Wer aus einem finanziell
schwachen Haushalt kommt, ist oft gezwungen, das qualitativ beste oder zeitlich passende,
aber oft unbezahlte Praktikum abzulehnen und stattdessen doch im Job zu bleiben oder die
finanziellen Probleme einzugehen. Die Praxisphasen selbst werden so zu einer massiven
finanziellen Belastung, da Studierende und Auszubildende gezwungen sind, ihre
existenzsichernden Mini- oder Midijobs drastisch zu reduzieren, oder unter hohem
gesundheitlichen Stress die Praktikumsstunden zusätzlich zu ihrer Erwerbsarbeit unter
einen Hut zu bringen. Dies darf nicht die Realität sein.
