Die Haushaltslage der Stadt Köln ist derzeit mehr als angespannt. Die Haushaltssperre bedroht bereits jetzt wichtige Strukturen im Kultur-, Jugend- und Sozialbereich. Eine erfolgreiche Olympiabewerbung würde zu einer weiter steigenden Belastung für den Haushalt der Stadt führen und dies über Jahre hinweg. Mögliche Zuschüsse von Bund und Land werden hierbei in keinem Fall in vollem Umfang die nötigen Ausgaben für Olympia abdecken. Geld, das für Sportgroßveranstaltungen verwendet wird, fehlt
an anderer Stelle. Die Folge wäre weitere Kürzungen zum Nachteil des sozialen und kulturellen Bereichs.
Der oftmals hervorgehobene Effekt, durch Veranstaltungen wie Olympia käme es zu Mehreinnahmen der Wirtschaft und der öffentlichen Hand, ist wissenschaftlich widerlegt. Die Kosten für die öffentliche Hand übersteigen in jedem Fall die Mehrreinnahmen durch die olympischen Spiele.
Die Stadt München hat im Falle einer erfolgreichen Olympiabewerbung mit Kosten von mindestens 18 Milliarden Euro kalkuliert. Für Köln und NRW fehlt bis heute eine verlässliche Einschätzung zu den Kosten für Olympia. Die Schätzung aus München, welches über bedeutend mehr passende Sportstätten verfügt, zeigt jedoch in welchen Dimensionen sich die Kosten für Olympia bewegen. Umso unseriöser erscheint es daher, dass eine Olympiabewerbung von NRW abgegeben werden soll ohne eine grobe Kostenschätzung.
Anders als Olympiabefürworter*innen es suggerieren, würde nicht mehr bezahlbarer Wohnraum entstehen. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Die Veranstaltung von olympischen Spielen führt im Regelfall zur Aufwertung der dortigen Gegend und somit zu stark steigenden Preisen. So entsteht allenfalls Wohnraum, dieser ist jedoch nicht bezahlbar und führt sogar zur Verdrängung von Einkommensschwachen.
In Köln wäre besonders das neu geplante Kreuzfeld betroffen. Die bisherigen Planungen müssten zum Teil über Bord geworfen werden. Auch dies verursacht wieder einmal Mehrkosten, wofür allein der Haushalt der Stadt Köln aufkommt. Der Bau eines Leichtathletikstadions in Kreuzfeld würde wertvolle Fläche versiegeln, die sich langfristig besser für Wohnraum als für ein überdimensioniertes Stadion eignen würde. Das Olympiadorf könnte zwar nach Abschluss der Spiele in Wohnraum umgewandelt werden, doch nur im Gegenzug zu deutlich höheren Kosten als der normale Bau von Wohnraum erfordern würde.
Auch die Stadt Paris versuchte bereits ihr Olympiadorf in bezahlbaren Wohnraum umzuwandeln, hatte hierbei jedoch nur mäßigen Erfolg. Es fanden sich nur wenige Kaufinteressent*innen für die Wohnungen, weil diese vielfach zu teuer waren. Ein günstigerer Verkauf wiederum hätte zu hohen Verlusten bei der Stadt geführt.
Eine Olympiabewerbung ist somit nicht vereinbar mit den derzeitigen Kürzungen im sozialen und kulturellen Bereich, den wir derzeit erleben. Ein kurzfristiges Event ohne nachhaltige wirtschaftliche Effekte darf nicht auf Rücken der Schwachen ausgetragen werden.
Eine zusammengefasste Übersicht über die Einschätzung deutscher Wirtschaftsinstitute findet sich hier: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/preise-wohnen-konjunktur-was-bringt-olympia-fur-die-wirtschaft--und-was-nicht-14646527.html
