| Veranstaltung: | Themenkonferenz 2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | TOP 5.1. Beratungen Antragsblock B (Anträge bzgl. NRW) |
| Antragsteller*in: | Juso HSG Uni Köln |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 21.07.2026, 12:27 |
A2: Wir wollen mehr KI wagen – KI-Nutzung zur Entlastung von Lehrkräften
Weiterleitung
- Weiterleitung an:
- Landeskonferenz der NRW Jusos
Antragstext
„7.800 Stellen unbesetzt – NRW verliert Lehrerinnen“, „Lehrkräftemangel:
Arbeiten am Limit“, „Burnout bei Lehrerinnen wahrscheinlicher als in vielen
anderen Berufsgruppen“ – solche Schlagzeilen begegnen uns regelmäßig. Sie
beschreiben eine Realität, die an vielen Schulen längst Alltag geworden ist.
Lehrkräfte übernehmen heute weit mehr Aufgaben als die reine Wissensvermittlung.
Sie unterrichten, beraten, dokumentieren, korrigieren, kommunizieren mit Eltern,
erstellen Förderpläne, organisieren Ausflüge, verfassen Berichte und übernehmen
zahlreiche Verwaltungsaufgaben. Gleichzeitig werden die Klassen größer, die
Anforderungen vielfältiger und der Lehrkräftemangel verschärft die Belastung
zusätzlich.
Während immer mehr Lehrkräfte an ihre Belastungsgrenzen stoßen, entwickelt sich
parallel eine Technologie rasant weiter: Künstliche Intelligenz. Die öffentliche
Debatte konzentriert sich dabei häufig auf die Frage, wie Schüler*innen KI
nutzen oder missbrauchen könnten. Deutlich seltener wird darüber gesprochen,
welche Chancen KI bietet, beispielsweise für Lehrkräfte.
Dabei liegt hier ein enormes Potenzial. Richtig eingesetzt kann Künstliche
Intelligenz Lehrkräfte von zeitaufwendigen Routineaufgaben entlasten und ihnen
genau das zurückgeben, was im Schulalltag am dringendsten fehlt: Zeit. Zeit für
Schüler*innen, Zeit für pädagogische Arbeit, Zeit für individuelle Förderung und
Zeit für Weiterbildung.
KI darf dabei nicht als Ersatz für Lehrkräfte verstanden werden. Die
pädagogische Beziehung zwischen Lehrkraft und Schüler*in bleibt unersetzlich.
Künstliche Intelligenz soll nicht den Menschen ersetzen, sondern dort
unterstützen, wo heute unnötig viel Arbeitszeit für Verwaltungs- und
Routinetätigkeiten verloren geht.
Künstliche Intelligenz als Werkzeug zur Entlastung von Lehrkräften
Viele Aufgaben im Schulalltag folgen festen Mustern und erfordern erhebliche
Zeitressourcen. Unterrichtsmaterialien müssen erstellt, Arbeitsblätter
differenziert angepasst, Lernziele formuliert und Klausuren vorbereitet werden.
Nach dem Unterricht folgen Dokumentationen, Nachbereitungen und Korrekturen.
Gerade in diesen Bereichen kann Künstliche Intelligenz Lehrkräfte wirksam
unterstützen. Sie kann Entwürfe für Unterrichtseinheiten erstellen, Aufgaben auf
verschiedene Leistungsniveaus anpassen, Feedbackvorschläge generieren oder
Korrekturprozesse beschleunigen. Die letztendliche Verantwortung muss dabei
selbstverständlich immer bei der Lehrkraft bleiben.
Eine landesweit geregelte Nutzung bietet zudem die Chance, Qualitätsstandards,
Datenschutz und Rechtssicherheit zu gewährleisten. Statt dass jede Schule und
jede Lehrkraft eigene Lösungen entwickelt, braucht es klare Vorgaben, zentrale
Angebote und eine koordinierte Strategie des Landes Nordrhein-Westfalen.
Daher fordern wir:
Die NRWSPD soll sich auf Landes- und Bundesebene dafür einsetzen, dass
Lehrkräfte durch eine geregelte, datenschutzkonforme und vom Ministerium für
Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen koordinierte Nutzung von Künstlicher
Intelligenz entlastet werden.
Insbesondere soll KI zur Unterstützung in den Bereichen eingesetzt werden:
- Unterrichtsvorbereitung,
- Unterrichtsnachbereitung,
- Erstellung von Unterrichtsmaterialien,
- Differenzierung und Individualisierung von Lernangeboten,
- Korrektur von Klassenarbeiten, Klausuren und Tests,
- Dokumentations- und Verwaltungsaufgaben.
Mehr Zeit für pädagogische Arbeit statt Bürokratie
Der Lehrerinnenberuf ist ein pädagogischer Beruf. Dennoch verbringen viele
Lehrkräfte einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit nicht mit Schülerinnen,
sondern mit organisatorischen und administrativen Aufgaben.
Jede Stunde, die durch den sinnvollen Einsatz von KI eingespart werden kann,
sollte denjenigen Bereichen zugutekommen, die für Bildungserfolg tatsächlich
entscheidend sind: Unterricht, individuelle Förderung und persönliche Betreuung.
Lehrkräfte sollten mehr Zeit haben, Lernstände zu analysieren, Gespräche mit
Schüler*innen und Eltern zu führen sowie auf individuelle Herausforderungen
einzugehen. Gerade in Zeiten zunehmender Heterogenität und wachsender sozialer
Herausforderungen an Schulen ist dies wichtiger denn je.
Daher fordern wir:
Die durch den Einsatz von KI gewonnene Arbeitszeit soll gezielt genutzt werden
für:
- weniger Verwaltungs- und Büroarbeit,
- mehr Zeit im Unterricht und mit Schüler*innen,
- intensivere individuelle Förderung,
- stärkere pädagogische Begleitung,
- eine Verbesserung der Unterrichtsqualität.
Weiterbildung stärken und Unterrichtsqualität verbessern
Guter Unterricht lebt davon, dass Lehrkräfte fachlich und pädagogisch auf dem
aktuellen Stand bleiben. Wissenschaftliche Erkenntnisse, gesellschaftliche
Entwicklungen und technische Innovationen verändern sich stetig. Gleichzeitig
fehlt vielen Lehrkräften im belasteten Schulalltag die notwendige Zeit für
regelmäßige Fort- und Weiterbildung.
Die durch KI gewonnene Zeit kann genutzt werden, um Fortbildungsangebote
wahrzunehmen und neue Kompetenzen zu erwerben. Davon profitieren nicht nur die
Lehrkräfte selbst, sondern vor allem die Schüler*innen.
Eine moderne Schule braucht Lehrkräfte, die die aktuellen Entwicklungen ihrer
Fächer kennen, moderne Unterrichtsmethoden anwenden können und neue Technologien
kompetent einsetzen.
Daher fordern wir:
- Mehr zeitliche Freiräume für verpflichtende und freiwillige Fortbildungen.
- Eine stärkere Förderung fachlicher und pädagogischer Weiterbildung.
- Qualifizierungsangebote für den verantwortungsvollen Einsatz von KI im
Schulalltag.
- Die Nutzung gewonnener Arbeitszeit zur kontinuierlichen
Professionalisierung von Lehrkräften.
Lehrkräftemangel bekämpfen und Unterrichtsausfälle reduzieren
Nordrhein-Westfalen leidet seit Jahren unter einem erheblichen Lehrkräftemangel.
Viele Schulen arbeiten an der Belastungsgrenze, Unterricht fällt aus oder wird
fachfremd erteilt.
Künstliche Intelligenz wird den Lehrkräftemangel nicht lösen können. Sie kann
jedoch dazu beitragen, vorhandene Ressourcen effizienter einzusetzen. Wenn
Lehrkräfte weniger Zeit für Verwaltungsaufgaben benötigen, können sie mehr Zeit
für Unterricht und pädagogische Arbeit aufbringen.
Dadurch kann Unterrichtsausfällen entgegengewirkt werden. Gleichzeitig entstehen
Freiräume, die perspektivisch auch für kleinere Klassen und eine bessere
Betreuung der Schüler*innen genutzt werden können.
Zahlreiche Studien zeigen, dass insbesondere kleinere Lerngruppen und eine
stärkere individuelle Betreuung positive Auswirkungen auf den Lernerfolg haben.
Jede Maßnahme, die Lehrkräften mehr Zeit für ihre Schüler*innen verschafft, ist
daher auch eine Investition in bessere Bildung.
Daher fordern wir:
- Die Nutzung von KI zur effizienteren Verwendung vorhandener
Lehrkräftekapazitäten.
- Maßnahmen zur Verringerung von Unterrichtsausfällen.
- Die Schaffung zusätzlicher pädagogischer Freiräume an Schulen.
- Eine langfristige Nutzung der gewonnenen Ressourcen zur Verbesserung von
Betreuungsrelationen und Klassengrößen.
Künstliche Intelligenz wird den Lehrer*innenberuf nicht ersetzen. Sie kann aber
dazu beitragen, sich wieder stärker auf das zu konzentrieren, worum es
eigentlich geht: die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Lehrkräfte sollen Pädagoginnen sein, nicht in erster Linie Verwalter*innen. Wer
Schulen stärken will, muss Lehrkräfte entlasten. Wer Lehrkräfte entlasten will,
sollte die Chancen moderner Technologien nutzen.
Deshalb wollen wir mehr KI wagen – nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug
für bessere Bildung, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Zeit für die Menschen,
die Schule jeden Tag gestalten.
